Am 19. Mai 2019 stimmen wir im Kanton Bern über die Revision des Sozialhilfegesetzes (SHG) ab ...

Teil 3: Neid, Arbeit und Perspektive.
Nicht nur das Entleeren der Flugzeugtoilette stinkt hier gewaltig!

Nachdem ich im Verlauf des Jahres 2017 die meisten Psychopharmaka absetzen durfte, traf mich irgendwann die Hoffnungslosigkeit meines Lebens wie ein Dampfhammer. Von den mir wichtigen Beziehungen blieb nur ein grosser Scherbenhaufen übrig und in meinem Beruf kam ich keinen Schritt weiter. So zu leben, war für mich keine Perspektive und lebensunwert!

Klar, ich hatte zwar eine obercoole und nicht alltägliche Arbeit, aber Überstunden zu machen lohnte sich nicht, da der Mehrverdienst sofort wieder an meiner Sozialhilfe angerechnet wurde und ich auf dem immer gleichen Einkommen sitzen blieb. Auch meine Arbeit so gut, wie es halt ging, zu machen und Einsatz zu zeigen, lohnte sich nicht. Ich hatte mich bei meinem Arbeitgeber auf alles beworben, auf was ich mich bewerben konnte und das Ergebnis war niederschmetternd. Als Stundenlöhner, Nichthandwerker und Nichtfeuerwehrmann hatte ich für nichts eine Chance. Denn jede Stunde, die ich dann zusätzlich hätte arbeiten können, hätte ja auch zusätzlich Geld gekostet. Wie ich es auch anstellte und drehte, schlussendlich konnte und durfte ich mein Einkommen nicht verbessern.

Als dann noch eine Frühpensionierung mit ins Spiel gebracht wurde, sah ich beim besten Willen keinen Ausweg mehr aus meiner Einbahnstrasse, die auf dem Abstellgleiss enden würde.

Etwa im März 2018 wurde ich dann trotzt allem ein wenig zu übermütig und spielte mit dem Gedanken, meine Anstellung zu künden und noch einmal ganz von vorne anzufangen. Die Konsequenzen, die ich wegen eines solchen Schrittes hätte tragen müssen und die mir von den verschiedenen Ämtern präsentiert wurden, wären aber viel zu gross und nicht zu stemmen gewesen und so blieb es bei einem ganz kurzfristigen, saublöden Gedanken.

Keine der Strategien, die ich zusammen mit meinem Psychiatrie-Spitex-Coach immer wieder von Neuem und in einer nie enden wollenden Endlosschlaufe durchkaute, hätte kurzfristig zu einer markanten Verbesserung meiner Lebensumstände geführt. Am Schluss blieb immer nur die finale Strategie übrig …

Jetzt zeigt sich aber ein ganz hell leuchtender Lichtstreifen am dunklen Horizonz der sozialen Hängematte und ich bin den InitiantInnen und BefürworterInnen der Änderung des Sozialhilfegesetzes wirklich sehr dankbar für ihre zukunftsweisenden und progressiven Ideen. Plötzlich und wie von Zauberhand eröffnen sich ungeahnte, noch nie dagewesene und der sozialen Marktwirtschaft angepasste Perspektiven: Sprachkurse, Zulagen, Prämien, Freibeträge, und vielleicht gar (auf Ende Jahr als grosses Weihnachtsgeschenk) noch ein Kooperationsbonus. Das grosse Sahnehäubchen all dieser grandiosen Ideen ist aber – das alles und noch viel, viel mehr wird gemacht, damit sich Arbeit lohnt …

Natürlich ist das Leben kein Ponyhof, auch nicht Bestandteil eines grossen «Wünsch Dir was» und Neid wäre wohl die böse Umschreibung dessen, was andere für meinen Gerechtigkeitssinn verwenden würden. Für mich und meine KollegInnen habe ich mich immer wieder vergebens für mehr Gerechtigkeit bei gleicher Leistung eingesetzt. Ging es nun zum Beispiel um die Bezahlung von Archivbildern (wie zum Beispiel diesem hier aus dem Jahr 2004, für das ich kein Honorar bekommen werde) oder um eine mehr oder weniger gerechte Verteilung der Arbeitsstunden unter Stundenlöhnern. Ja – am Schluss bleibt nur noch Neid, innere Emigration und leider die traurige Erfahrung, dass ich die einzige Person bin, der ich wirklich vertrauen kann …

Das nächste Mal geht es in „TOLL: Wir spielen Sozialhilfe kürzen!“ um viel Wut, Geld oder Leben.

willkommen in der sozialen hängematte

Momentan scheint Sozialhilfe in weite Ferne gerückt zu sein und ich bin unendlich froh über das, was ich in den letzten Monaten erreichen durfte. Wenn ich so weiterarbeiten und weitermachen kann, werde ich mich auf Ende Mai beim Sozialdienst Belp abmelden können.

April war für meine Verhältnisse in jeder Beziehung ein äusserst erfolgreicher und befriedigender Monat. Ich konnte erneut meinen Umsatz mit Fotografie steigern und erwirtschaftete CHF 2’449.50. Am 26. April hat mir meine Arbeitslosenkasse CHF 2’197.20 als Taggeld für März überwiesen. So viel Geld auf einem Haufen – meinem Konto – habe ich schon lange nicht mehr gesehen.

Zudem habe ich mir meine Pensionskasse auszahlen lassen und damit die Schulden getilgt, welche sich in den letzten 5 Monaten mit den Investitionen in meine Zukunft angehäuft haben. Das erste Mal seit Jahren habe ich keine Schulden mehr und alle Rechnungen sind pünktlich bezahlt. Ein super gutes Gefühl!

Für all jene, die mir nicht glauben, lege ich gerne alles offen. Ich habe nichts (mehr) zu verlieren!

Kategorien: Blog

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